Ich kann mich noch ganz genau an den Moment erinnern, als ich das erste Mal Freiarbeit auf einer Messe gesehen habe. Jean-François Pignon und seine Stuten kommunizierten auf eine Art miteinander, die für mich damals fast unsichtbar wirkte. Die Pferde waren frei, hätten jederzeit gehen können und waren trotzdem ganz bei ihm. Mich hat das komplett fasziniert.
Und ich glaube, genau dieses Gefühl kennen viele, die sich für Freiarbeit begeistern. Man sieht ein Pferd, das seinem Menschen frei folgt, auf kleinste Signale reagiert, neben ihm stehen bleibt oder sich mit viel Energie um ihn herum bewegt. Es sieht leicht aus, harmonisch und irgendwie so, als würden beide dieselbe Sprache sprechen.
Vielleicht ist das sogar ein Stück weit der Traum, den viele von uns mit Pferden haben. Nicht unbedingt die große Show oder eine bestimmte Lektion, sondern dieses Gefühl: Mein Pferd versteht mich. Wir können miteinander kommunizieren. Es bleibt bei mir, obwohl es nicht festgehalten wird.
Genau das macht Freiarbeit für mich bis heute so besonders. Gleichzeitig habe ich über die Jahre mit sehr vielen unterschiedlichen Pferden gearbeitet und dabei gemerkt, wie verschieden der Weg zu diesem Gefühl aussehen kann. Das, was wir später als schöne, freie Arbeit sehen, erzählt eben immer nur einen kleinen Teil der Geschichte.
Wie frei ist Freiarbeit wirklich?
Darüber gibt es viele unterschiedliche Meinungen. Beruht alles auf Freiwilligkeit? Was ist okay und was nicht? Ist Freiarbeit am Ende einfach nur Arbeit ohne Seil, mit anderen Kontrollelementen?
Vieles lässt sich dabei nicht pauschalisieren. Erfahrungen aus der Praxis und Erkenntnisse aus dem Verhalten von Pferden zeigen, dass unser Herdentier Pferd vor allem erst einmal eines benötigt: Sicherheit. Sicherheit ist ein wichtiges Grundbedürfnis, das sich nicht einfach durch etwas anderes ersetzen lässt. Genau hier beginnt unsere Verantwortung.
Wir nehmen das Pferd aus seiner Herde und bringen es in eine neue Umgebung voller Grusel und Schrecken. Hierbei braucht das Pferd eine sinnvolle Begleitung durch uns Menschen. Es sollte sich an uns orientieren können, seinen Platz kennen, sich dabei sicher fühlen und sich auch bei uns entspannen können.
Das ist für mich eine Grundbasis, die erst einmal für alle gilt. Dabei geht es gar nicht darum, ein Pferd herunterzumachen oder „brechen“ zu wollen. Es geht schlichtweg darum, dass das Pferd seinen Platz kennt und wir in der Lage sind, es zu bewegen und einzuladen, ohne dass es Angst hat oder unser eigener Raum ständig infrage gestellt wird.
Dann haben wir eine Basis, die beiden Seiten Sicherheit gibt und auf der sich beide wohlfühlen können. Hierbei unterscheide ich nicht, ob ich das Pferd am Seil habe oder frei arbeite. Haben wir diese Basis, erkläre ich dem Pferd Übungen wie beispielsweise das Zirkeln. Für mich ist das ein Spiel mit dem Raum.
Wenn mein Pferd dabei geht, schicke ich es nicht so lange weiter, bis es aufgibt. Ich lasse es aber auch nicht einfach zum nächsten Grasbüschel verschwinden. Zirkeln, Abstand verändern und erneutes Einladen gehören für mich zur Raumarbeit und damit zu einer guten Basis.
Indem wir verschiedene Erklärwege haben, können wir das Pferd wieder einladen und noch einmal genauer beschreiben, was gerade die Aufgabe war. Alles unterstützt durch viel Feedback! Dadurch fangen die Pferde an, wirklich nachzudenken und nach Lösungen zu suchen. Und das fördert unheimlich die Motivation!
ANMERKUNG VOM KEY TO HORSES TEAM
Genau darum haben wir Key to Horses so entwickelt, dass Übungen aufeinander aufbauen und daraus ein richtiger Lernweg entstehen kann.
Wir arbeiten uns mit euch von den ersten Grundlagen bis zu weiterführenden Lektionen kleinschrittig durch. Dabei zeigen wir bewusst auch Pferde, die eine Übung gerade selbstlernen. So seht ihr nicht nur das fertige Ergebnis, sondern auch die kleinen Herausforderungen, die während der Ausbildung ganz normal auftauchen und wie Tanja damit umgeht.
Freiarbeit sieht nicht bei jedem Pferd gleich aus
Ich habe im Laufe der Jahre sehr unterschiedliche Pferde in der Freiarbeit begleitet. Da sind Pferde, die schon viel erlebt haben und dabei kaum Möglichkeiten hatten, selbst Entscheidungen zu treffen. Manche werden dadurch sehr zurückhaltend oder fast ein bisschen unzugänglich. Bei ihnen arbeite ich noch kleinschrittiger und gebe viel Bestätigung.
Und dann habe ich vielleicht einen selbstbewussten Hengst vor mir, der sofort Energie anbietet, sich präsentiert und am liebsten direkt die ganz große Bühne eröffnet. Bei diesem Pferd freue ich mich vielleicht viel mehr darüber, wenn wir nach einer aktiven Sequenz gemeinsam wieder Ruhe finden.
Genau deshalb lohnt es sich, das Pferd anzuschauen, das tatsächlich vor einem steht. Was motiviert es? Wann wird es neugierig? Braucht es gerade mehr Aktivität oder eigentlich weniger?
Wann wird aus schöner Energie schon zu viel? Ein eher introvertiertes Pferd braucht vielleicht Unterstützung dabei, mehr aus sich herauszukommen. Bei einem sehr aktiven Pferd kann dagegen Ruhe die viel größere Herausforderung sein. Und genau hier wird das Thema Motivation und Energie in der Freiarbeit richtig spannend.
WIE SIEHT DAS BEI DEINEM PFERD AUS?
Wenn du dich fragst, wie du mit der Energie deines Pferdes umgehen und seine Motivation in der Freiarbeit besser einschätzen kannst, schauen wir uns genau dieses Thema in unserem kostenlosen Motivations-Guide zur Freiarbeit noch einmal ausführlicher an.
Wenn viele Menschen an Freiarbeit denken, haben sie einen ausdrucksstarken Hengst vor Augen, der frei um seinen Menschen herumläuft. Große Bewegungen, viel Energie und scheinbar mühelose Kommunikation. Ich kenne dieses Gefühl sehr gut. Schließlich war genau so ein Bild der Moment, der mich selbst für die Freiarbeit begeistert hat.
Ich finde solche Bilder immer noch wunderschön und sie dürfen uns motivieren. Gleichzeitig arbeite ich mit dem Pferd, das tatsächlich vor mir steht. Nicht jedes Pferd bringt dieselbe Energie, Bewegungsfreude oder Persönlichkeit mit. Freiarbeit kann deshalb spektakulär sein, aber genauso ruhig, fein oder verspielt.
Ich frage mich deshalb lieber: Passt meine Erwartung zu meinem Pferd und seinem Ausbildungsstand? Manchmal ist der Fortschritt nicht der freie Galopp, sondern ein Pferd, das aufmerksam bei uns bleibt, selbst eine Idee anbietet oder nach viel Energie wieder Ruhe findet. Auch das kann richtig schöne Freiarbeit sein.
Was ich an der Freiarbeit bis heute liebe
Mich begeistert diese feine, fast unsichtbare Kommunikation heute noch genauso wie damals bei Jean-François Pignon. Ich sehe nur inzwischen auch die vielen kleinen Gespräche dahinter. Vielleicht ist genau das für mich das Besondere an der Freiarbeit: Das Pferd könnte gehen und trotzdem finden wir immer wieder zueinander.
MOTIVATION UND ENERGIE IN EURER FREIARBEIT
Wie viel Energie bringt dein Pferd mit? Oder wünschst du dir mehr Motivation und Eigeninitiative? In unserem kostenlosen Guide "Schlüssel zu mehr Motivation in der Freiarbeit" schauen wir uns genau dieses Thema ausführlicher an und helfen dir dabei, dein Pferd besser einzuschätzen.