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Wie entscheide ich mich für die richtige Reitweise?

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Katharina Dick · 26. August 2026

Wer sich heute mit Pferdeausbildung beschäftigt, hat eine riesige Auswahl. Deutsche beziehungsweise englisch geprägte Reitweise, Westernreiten, klassische Dressur, akademische Reitkunst, Working Equitation und dazu noch unterschiedliche Schulen und Strömungen innerhalb dieser Bereiche. Und selbst zwei Trainer, die ihre Arbeit mit demselben Begriff beschreiben, können Pferde am Ende ziemlich unterschiedlich ausbilden.
Wie soll man da herausfinden, welcher Weg der richtige für das eigene Pferd und einen selbst ist?
Ich habe mir diese Frage mehrmals im Leben gestellt und beantwortet. Ich habe als Kind ganz klassisch in einer deutschen Reitschule angefangen, bin Springturniere geritten und hatte gemeinsam mit meiner Mutter ein Warmblut. Später kam ich zum Westernreiten und über Umwege am Ende zur klassischen Dressur.
Rückblickend glaube ich nicht, dass es darum geht, möglichst früh das richtige Etikett für sich zu finden. Viel wichtiger ist die Frage: Wie möchte ich mein Pferd eigentlich ausbilden?

Die richtige Reitweise beginnt nicht unbedingt mit einer vernünftigen Entscheidung

Bei mir begann ein neuer Weg erstaunlich oft damit, dass ich etwas einfach schön fand. Als Jugendliche lernte ich eine Westernreiterin kennen und fand diesen ganzen Stil plötzlich unglaublich cool. Das sah anders aus als, das ich kannte. Westernsattel, lange Zügel, die Pferde, die Kleidung. Das hat mich angesprochen.
Später ging es mir mit dem Bosal ähnlich. Erst fand ich es optisch interessant. Dann begann ich mich mit seiner Funktionsweise zu beschäftigen und stellte fest, dass dahinter viel mehr steckt als ein schönes gebissloses Kopfstück. Bei der Working Equitation waren es die Lusitanos, die Dressurarbeit, die Hindernisse und die Vielseitigkeit, die mich fasziniert haben. Und irgendwann sah ich Reiter in der klassischen Dressur, die Piaffe und Passage mit einer Leichtigkeit ritten, die ich unbedingt besser verstehen wollte.
Ich finde es überhaupt nicht verwerflich, wenn Ästhetik bei der Wahl einer Reitweise eine Rolle spielt. Wir dürfen etwas sehen und denken: Genau so würde ich auch gerne reiten. Die entscheidende Frage ist doch: Gefällt mir nur das Bild oder gefällt mir auch der Weg, der dieses Bild ermöglicht?

Eine Reitweise ist mehr als ein Sattel oder bestimmte Lektionen

Je länger ich mich mit verschiedenen Reitweisen beschäftigt habe, desto weniger wichtig wurden für mich die oberflächlichen Unterschiede. Natürlich unterscheidet sich ein typisches Westernpferd häufig deutlich von einem Dressurpferd, oft schon durch Rasse und Zucht, aber natürlich auch durch die Ausrüstung, andere Aufgaben und andere Zielbilder.
Trotzdem beschäftigen sich viele Ausbildungsrichtungen in ihrer Basis mit ähnlichen Fragen: Wie reagiert das Pferd auf Hilfen? Wie findet es Balance? Wie lässt es sich lenken und regulieren? Wie entwickelt es Kraft und Tragfähigkeit?
Spannend werden die Unterschiede häufig in den Nuancen. Welche Bewegung möchte ich fördern? Welche Form strebe ich an? Wie gebe ich meine Hilfen? Welche Rolle spielen Kraft, Versammlung, Losgelassenheit oder Selbsthaltung? Welche Hilfsmittel werden eingesetzt und wie? Und über all diesen Fragen steht für mich heute eine noch wichtigere: Welche Rolle bekommt das Pferd in dieser Ausbildungsphilosophie?
Ist das Pferd vor allem dafür da, ein bestimmtes sportliches oder reiterliches Ziel zu erreichen? Oder darf seine körperliche und mentale Ausgangslage mitbestimmen, wie dieses Ziel überhaupt aussieht und auf welchem Weg wir dorthin kommen?
Genau deshalb reicht für mich inzwischen auch ein Label wie "klassische Dressur" nicht mehr aus. Als ich begonnen habe, mich intensiver mit klassischer Dressur und Reitkunst zu beschäftigen, sah vieles für mich zunächst relativ ähnlich aus. Je tiefer ich eingestiegen bin, desto deutlicher wurden die Unterschiede zwischen einzelnen Schulen, Trainern und Interpretationen.
Zwei Menschen können beide sagen: "Ich reite klassische Dressur", und trotzdem ganz unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie ein Pferd ausgebildet werden sollte. Deshalb würde ich heute nicht mehr nur fragen, welche Reitweise ein Trainer unterrichtet, sondern wie dieser Trainer Pferde ausbildet.

Die richtige Reitweise finden: Diese Fragen würde ich mir stellen

Wenn mich heute jemand fragen würde, wie er sich für eine Reitweise entscheiden soll, dann würde ich ihm erst einmal folgende Fragen stellen: Was möchtest du mit deinem Pferd erreichen? Was spricht dich an? Gibt es bestimmte Lektionen, Disziplinen oder Bilder, die dich faszinieren? Wie ehrgeizig bist du? Möchtest du irgendwann bestimmte Ziele erreichen oder suchst du vor allem einen schönen und vielseitigen Weg mit deinem Pferd?
Mindestens genauso wichtig wäre für mich: Was möchtest du nicht? Gibt es Trainingsmethoden, Hilfsmittel oder Bilder, die für dich ein No-Go sind? Welche Möglichkeiten hast du überhaupt, diese Reitweise zu lernen? Gibt es Trainer in deiner Umgebung, kannst du zu Kursen fahren oder stehen dir andere gute Lernmöglichkeiten zur Verfügung?
Und dann kommt die Frage, die wir bei unseren eigenen Träumen schnell vergessen können: Was bringt mein Pferd mit und was braucht mein Pferd?

Wenn der passende Trainer nicht direkt vor der Haustür steht

Nachvollziehbare, faire und reitweisenunabhängige Ausbildung ist ein Grundstein von Key to Horses. Auf der Plattform findest du unterschiedliche Trainer und Ausbildungsansätze, die wir nach unseren gemeinsamen Werten auswählen: Pferdewohl, Fairness, fachgerechte und gesunderhaltende Ausbildung sowie ein respektvoller Umgang mit dem Pferd stehen dabei im Mittelpunkt.

Dein Pferd darf bei der Entscheidung mitreden

Mein eigener Araber hat meinen reiterlichen Weg stark beeinflusst. Hätte ich mein Warmblut behalten, wäre ich vielleicht einfach Sportreiterin geblieben. Mein Araber hat mich dagegen immer wieder zum Nachdenken gebracht.
Auch im Westernreiten hatte ich irgendwann das Gefühl, dass manches von dem, was ich von ihm wollte, mehr meinem eigenen Wunschbild entsprach als dem, was ihm körperlich besonders entgegenkam. Ein Trainer gab mir damals den Impuls, stärker darauf zu schauen, was diesem Pferd von sich aus leichter fiel. Das hat meinen weiteren Weg ziemlich stark beeinflusst.
Das heißt für mich nicht, dass eine bestimmte Pferderasse nur für eine bestimmte Reitweise geeignet ist. Die interessantere Frage ist für mich: Wie sehr müsste ich mein Pferd
verändern, damit es in das Ideal passt, das ich mir ausgesucht habe?
Rasse und Zucht können Hinweise geben. Entscheidend bleibt aber das individuelle Pferd. Ich möchte heute nicht mehr nur fragen, ob mein Pferd etwas irgendwie lernen kann. Ich möchte auch wissen, ob dieser Weg für genau dieses Pferd sinnvoll ist.
Unsere Ziele dürfen uns antreiben. Das Pferd sollte dabei aber nicht zum Mittel werden, mit dem wir sie erreichen.

Woran erkenne ich eine gute Reitweise oder einen guten Trainer?

Mein wichtigster Prüfstein sind heute die Pferde. Ich schaue mir an, wie sie körperlich entwickelt sind, wie sie bemuskelt sind und ob ihr Körper insgesamt harmonisch wirkt. Gibt es auffällige Dellen, Verkantungen oder ein sehr unharmonisches Muskelbild oder sieht das Pferd durch die Arbeit ausgeglichen und gut entwickelt aus? Ich schaue aber genauso auf die Bewegungsqualität, den Ausdruck und darauf, wie das Pferd mental während und außerhalb des Trainings wirkt.
Für mich sollten Pferde durch gute Arbeit unter dem Reiter schöner werden. Sie sollten durch ihre Ausbildung kräftiger und harmonischer werden, und das sollte man nicht nur in einer bestimmten Lektion unter dem Sattel sehen, sondern irgendwann auch daran, wie sie sich in ihrer natürlichen Körperhaltung zeigen.
Dabei erwarte ich nicht, dass ein Pferd bei anspruchsvoller Arbeit in jeder Sekunde aussieht, als wäre alles mühelos. Gutes Training darf anstrengend sein. Wenn ich selbst im Fitnessstudio an etwas arbeite, das mir schwerfällt, sehe ich dabei wahrscheinlich auch nicht aus, als hätte ich gerade den schönsten Moment meines Lebens. Danach soll sich mein Körper aber entwickeln, kräftiger werden und mit der Aufgabe besser zurechtkommen. So ähnlich sehe ich das auch beim Pferd.
Entscheidend ist für mich deshalb das Gesamtbild. Wird das Pferd fair angeleitet? Wird es gelobt und positiv bestätigt? Wird die Anforderung sinnvoll aufgebaut? Wie geht der Trainer damit um, wenn etwas nicht funktioniert? Und vor allem: Wie entwickeln sich diese Pferde über längere Zeit?

Blickschulung & Exterieurbeurteilung

Wir haben eine tolle Lernreihe mit Esther Gammelin zu dem Thema Blickschulung. Das kann euch helfen Bewegungsmuster und Muskulatur bei Pferden besser zu beurteilen.
Ich achte nicht nur darauf, wie gut ein Trainer reitet. Ich schaue mir auch die Schüler an. Ein brillanter Reiter auf einem hervorragend ausgebildeten Pferd kann faszinierend sein, für mich ist aber mindestens genauso interessant, wie gut die Menschen werden, die bei diesem Trainer lernen. Können sie die Prinzipien nachvollziehen und umsetzen? Wie sehen ihre Pferde aus? Funktioniert die Arbeit mit unterschiedlichen Pferdetypen oder sieht man fast ausschließlich sehr ähnliche Pferde? Wie entwickeln sich Schüler, die nicht schon vorher auf einem sehr hohen Niveau geritten sind?
Das sagt mir viel darüber, ob eine Ausbildungsphilosophie nicht nur bei einem außergewöhnlich guten Reiter funktioniert, sondern auch wirklich vermittelbar ist.

Wann würde ich genauer hinsehen?

Ich möchte Reitweisen oder Trainer nicht anhand einzelner Bilder verurteilen. Ein Pferd kann eine schwierige Vorgeschichte haben, körperliche Probleme mitbringen oder Verhaltensweisen zeigen, die nicht durch den Menschen entstanden sind, der heute mit ihm arbeitet. Ein einzelner Moment erzählt selten die ganze Geschichte.
Wenn sich über längere Zeit aber immer wieder Dinge zeigen, die für mich nicht zu guter Ausbildung passen, werde ich vorsichtig. Dazu gehören für mich zum Beispiel immer stärkere Hilfsmittel als Antwort auf Schwierigkeiten oder ein Umgang, bei dem das individuelle Pferd kaum eine Rolle spielt. Für mich gehört auch das Leben außerhalb der eigentlichen Trainingseinheit zu diesem Gesamtbild. Pferde sind Bewegungs- und Herdentiere, und auch damit sollte das Umfeld, in dem sie leben und trainiert werden, umgehen können.
Auch sehr absolute Aussagen machen mich inzwischen eher skeptisch. Ich glaube nicht an Systeme, in denen für jedes Pferd dieselbe Antwort gelten soll. Das bedeutet nicht, dass eine gute Ausbildungsphilosophie keine klaren Prinzipien braucht. Im Gegenteil. Aber gute Prinzipien müssen für mich genug Raum für das individuelle Pferd lassen.

Wie probiere ich eine neue Reitweise sinnvoll aus?

Eine Reitweise oder Ausbildungsschule kann man zunächst kennenlernen, ohne direkt alles selbst umzusetzen. Ich würde mich erst einmal intensiver mit der Philosophie und den Trainern beschäftigen. Nicht nur kurze Social-Media-Ausschnitte ansehen, sondern längere Erklärungen, Lernserien oder Bücher nutzen und, wenn möglich, beim Training zuschauen.
Danach kann ich einen Kurs erst einmal als Zuschauer besuchen. Wenn ich mehr verstanden habe und der Ansatz für mich schlüssig wird, kann ich mit meinem eigenen Pferd einsteigen und mir über längere Zeit ansehen, wie wir beide damit zurechtkommen.

LERNE ONLINE

Online-Lernen kann guten Unterricht vor Ort nicht ersetzen. Es kann dir
aber helfen, Zusammenhänge besser zu verstehen, eine neue
Ausbildungsrichtung kennenzulernen und zwischen Unterricht oder Kursen
sinnvoll weiterzulernen. Gerade wenn der passende Trainer weiter
entfernt ist.
Eine Reitweise wirklich zu verstehen ist trotzdem etwas völlig anderes, als einmal einen Kurs besucht oder eine Lernserie gesehen zu haben. Manche Zusammenhänge werden erst nach Monaten klar, andere erst nach Jahren.
Deshalb finde ich es wichtig, einem neuen Ausbildungsweg eine echte Chance zu geben, wenn man ihn nach sorgfältiger Prüfung für sinnvoll hält. Das bedeutet natürlich nicht, weiterzumachen, wenn man das Gefühl hat, dass das eigene Pferd körperlich oder mental darunter leidet. Aber genauso wenig würde ich nach zwei Wochen sagen: Das können wir nicht, das ist nichts für uns. Um etwas wirklich zu lernen, muss man eine gewisse Zeit dabeibleiben.

Muss ich mich überhaupt für eine Reitweise entscheiden?

Ich bin ein großer Freund davon, sich vieles anzuschauen. Trotzdem bin ich inzwischen ebenso überzeugt davon, dass es irgendwann sinnvoll ist, sich für eine Ausbildungsphilosophie zu entscheiden und sie wirklich zu lernen.
Heute arbeite ich hauptsächlich in einer portugiesisch geprägten klassischen Dressur und versuche auch bei meiner Trainerwahl bewusst, innerhalb einer ähnlichen Ausbildungsphilosophie zu bleiben. Das heißt nicht, dass ich nichts anderes mehr lesen oder lernen möchte. Im Gegenteil. Es gibt unglaublich viel Wissen bei anderen Reitmeistern und in anderen Schulen, von dem man profitieren kann.
Aber mein tägliches Training braucht für mich eine Basis. Wenn ich heute nach einem bestimmten Prinzip arbeite, morgen eine völlig andere Lösung aus einem Video übernehme und nächste Woche wieder die Hilfengebung ändere, wird Lernen für mich und mein Pferd unnötig kompliziert. Neue Perspektiven können trotzdem sehr wertvoll sein. Manchmal erinnern
sie mich sogar an etwas, das ich längst einmal gelernt hatte.

Was, wenn ich mich für die falsche Reitweise entscheide?

Ich habe rückblickend auch schon gedacht, mich falsch entschieden zu haben. Ich glaube nicht, dass diese Jahre verschwendet waren. Ich habe dort Pferde ausgebildet, Unterricht genommen, Dinge ausprobiert, Fehler gemacht, Lösungen gefunden und viel gelernt. Ein Teil davon begleitet mich heute noch. Ein anderer Teil hat mir zumindest gezeigt, was ich inzwischen anders machen möchte.
Natürlich kostet jeder Wechsel Zeit. Vor allem wir Menschen müssen alte Bewegungsmuster, Hilfen und Gewohnheiten erst wieder verändern. Pferde können sich meiner Erfahrung nach häufig erstaunlich schnell auf eine andere Art der Kommunikation einstellen. Für uns Menschen ist es oft schwieriger, Dinge aufzugeben, die wir über Jahre automatisiert haben.
Vielleicht ist genau das der wichtigste Punkt, den ich aus meiner eigenen Suche mitgenommen habe: Du musst nicht heute schon die Reitweise finden, für den Rest deines Lebens.
Wenn du einen Ausbildungsweg gefunden hast, den du fachlich nachvollziehen und mit gutem Gefühl vertreten kannst, gib dir und deinem Pferd die Zeit, ihn wirklich zu lernen. Denn am Ende geht es geht darum, einen Ausbildungsweg zu finden, hinter dem du stehen kannst und auf dem dein Pferd und du euch gut weiterentwickeln könnt.