Bosal

Das Bosal: Passt diese gebisslose Zäumung zu euch?

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Katharina Dick · 9. September 2026

Das Interesse am Bosal ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen. Die traditionelle
Hackamore ist durch die altkalifornische Reitweise bekannter geworden, findet aber längst auch
darüber hinaus ihren Weg zu Pferdemenschen, die sich mit gebisslosem Reiten und feiner
Kommunikation beschäftigen.
Auf den ersten Blick ist leicht zu verstehen, was viele daran fasziniert: Das Bosal wirkt reduziert
und minimalistisch. Bei gut ausgebildeten Pferden sieht man häufig wenig Zügeleinwirkung und
eine sehr leichte Kommunikation. Doch hinter dem Bosal steckt natürlich auch ein
Ausbildungsweg, wie hinter jeder anderen Zäumung. Gleichzeitig fordert es den Reiter auf eine
positive Art dazu auf, sich genauer mit der eigenen Hilfengebung zu beschäftigen und diese
immer weiter zu verfeinern.

UNSER TRAINER FÜR DIE BOSAL-AUSBILDUNG: ALEX ZELL

Alex Zell beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit der altkalifornischen Reitweise, der Reitkunst und Biomechanik von Pferden. Dabei ist die Ausbildung von Pferden mit dem Bosal sein Mittelpunkt.
Gemeinsam mit Key to Horses haben wir eine Lernreihe zum Bosal erstellt, in der er die Arbeit mit der traditionellen Hackamore Schritt für Schritt erklärt.

Was ist ein Bosal eigentlich?

Das Bosal stammt aus der Vaquero beziehungsweise altkalifornischen Reitweise. Wenn wir bei der Terminologie ganz genau sind, bezeichnet Bosal eigentlich nur das geflochtene Nasenstück. Dazu kommen der Hanger, mit dem es am Pferdekopf befestigt wird, und die Mecate als Zügel.
Die komplette Zäumung aus diesen Bestandteilen wird als Hackamore bezeichnet.
In der traditionellen altkalifornischen Reitweise wird die Hackamore als Reit- und Ausbildungszäumung eingesetzt. Pferde wurden darin gestartet und konnten bis weit in die
Ausbildung oder auch dauerhaft damit geritten werden. Das Bosal gehört damit zu einem ganzen Ausbildungsweg.

Wie wirkt ein Bosal?

Primär wirkt das Bosal über die Rotation auf der Nase des Pferdes. Bei der Zügeleinwirkung bewegt sich das Bosal und überträgt so die Hilfen. Durch die Rotation auf der Nase hilft das Bosal dem Pferd, sich in der Oberlinie aufzudehnen.
Seitlich, also lateral, kann man sich die Wirkung wie Türen öffnen und außen schließen vorstellen. Wird der Zügel zur Seite geöffnet, bewegt sich auch das Bosal auf dieser Seite von der Pferdenase weg und gibt dem Pferd die Möglichkeit, sich in diese Richtung zu bewegen. Wirkt der äußere Zügel ein, wird diese Möglichkeit auf der anderen Seite entsprechend begrenzt. Entscheidend ist dabei, das Pferd nicht einfach am inneren Zügel in die gewünschte Richtung zu ziehen.

Ist gebisslos automatisch sanfter?

Gebisslos wird häufig automatisch mit besonders sanftem oder feinem Reiten verbunden. Die
Einwirkung und “härte” einer Zäumung hängt aber nicht allein davon ab, ob ein Gebiss im Pferdemaul liegt oder nicht. Die Passform und Qualität des Bosals sind entscheidend für die
korrekte Einwirkung und dafür, dass das Pferd keinen Schaden davon nimmt. Man sollte
unbedingt Abstand nehmen von vermeintlich günstigen Angeboten.
Ein gut angepasstes und relativ weiches Bosal kann sehr differenzierte Informationen
übertragen. Gleichzeitig bleibt am Ende immer die Hand des Reiters entscheidend. Wer
dauerhaft zieht oder stärker einwirkt, kann auch mit einem Bosal grob auf das Pferd einwirken.
Alex beschreibt das gerne als eine Art „Gentlemen’s Agreement“: Das Bosal verzeiht dem Pferd
jeden Fehler, dem Reiter jedoch keinen. Das Pferd darf ausprobieren, lernen und auch einmal
eine andere Antwort geben. Der Reiter muss dafür umso genauer darauf achten, welche
Information er gibt und wie er mit der Zäumung umgeht.

Ist ein Bosal nur etwas für Profis?

Nein. Nach Alex’ Erfahrung können sich auch Reiter ohne bisherige Erfahrung mit der
Hackamore an das Bosal herantasten. Wichtig ist dabei, die grundlegende Wirkungsweise zu
verstehen und sich mit der eigenen Hilfengebung auseinanderzusetzen.
Den großen Respekt vor dem Bosal führt Alex auch darauf zurück, dass diese Zäumung vielen
Reitern weniger vertraut ist als die klassische Trense. Gleichzeitig sieht er die Trense
keineswegs als die einfachere Zäumung:
„Ich persönlich halte eine Trense tatsächlich für die am kompliziertesten korrekt zu bedienende Zäumung, die wir in der Reiterei haben.“
Alex Zell
Für das Pferd ist die Hackamore nach Alex’ Erfahrung eine sehr verständliche Zäumung und
auch für den Reiter mit etwas Anleitung gut zu erlernen. Wichtig ist vor allem, nicht dauerhaft
an den Zügeln zu hängen oder zu ziehen. Wer bereit ist, sich mit der Wirkungsweise
auseinanderzusetzen und dabei auch am eigenen Reiten zu arbeiten, kann sehr gut mit dem
Bosal beginnen.

Kann ich mein Pferd auf Bosal umstellen?

Ein Pferd muss nicht von Anfang an im Bosal ausgebildet worden sein. Auch Pferde, die bisher
zum Beispiel mit Trense geritten wurden, können auf die Hackamore umgestellt werden.
Eine Frage aus unserer Community fanden wir dazu besonders spannend: Kann auch ein
29-jähriges Pferd, das sein Leben lang mit Trense geritten wurde, noch auf Bosal umgestellt
werden? Aus Alex’ Sicht spricht grundsätzlich nichts dagegen. Wenn ein älteres Pferd noch fit und neugierig ist, kann es natürlich auch noch etwas Neues lernen.

Kann ich mein Jungpferd von Anfang an mit Bosal ausbilden?

Ja. Alex reitet seine Pferde von Anfang an im Bosal. Für ihn liegt ein großer Vorteil der Hackamore darin, dass sie ein Pferd durch seine gesamte Ausbildung begleiten kann. Die ersten rundlagen können bereits vorbereitet werden, später wird die Arbeit im Sattel weitergeführt und die Zäumung kann auch noch genutzt werden, wenn das Pferd längst deutlich weiter ausgebildet ist.
Ob Jungpferd oder Umsteiger, das Pferd muss zunächst lernen, was die Hilfen des Reiters bedeuten. Gleichzeitig muss sich auch der Reiter mit der Wirkungsweise der Hackamore auseinandersetzen und seine Hilfengebung entsprechend entwickeln.
Wie dieser Weg praktisch aussieht, zeigt Alex in der Bosal-Lernreihe auf Key to Horses.

Was macht ein gutes Bosal aus?

Welches Bosal das richtige ist, hängt vom Pferd und vom Reiter ab.
Ein korrekt angepasstes Bosal sollte rund um die Pferdenase anliegen wie ein gut passender Hut oder Schuh. Das Bosal soll nicht herumschlackern, gleichzeitig aber auch nicht so eng sitzen, dass es nicht mehr rotieren kann oder die Beweglichkeit des Unterkiefers einschränkt.
Alex arbeitet persönlich gerne mit relativ weichen Bosals, weil sie eine fein abgestufte
Hilfengebung ermöglichen. Entscheidend ist für ihn aber immer, wie das jeweilige Pferd darauf
reagiert.
Ein härteres oder weiter sitzendes Bosal ist deshalb nicht automatisch besser, nur weil ein Pferd
stärker oder weniger sensibel reagiert. Pferde und Reiter sind unterschiedlich. Was für ein Paar
hervorragend funktioniert, muss für das nächste noch lange nicht die richtige Lösung sein.

Passt das Bosal zu euch?

Wenn euch das Bosal interessiert, sollte die Entscheidung nicht allein daran hängen, dass ihr gebisslos reiten möchtet. Spannender ist die Frage, ob ihr Lust habt, euch genauer mit eurer eigenen Hilfengebung auseinanderzusetzen und gemeinsam mit eurem Pferd einen
Ausbildungsweg zu gehen.
Eine andere Zäumung allein verändert unser Reiten nicht. Entscheidend ist, dass wir verstehen, wie sie wirkt, und bereit sind, auch am eigenen Reiten weiterzuarbeiten. Denn ein Bosal macht uns nicht automatisch zu feineren Reitern. Es kann uns aber dabei helfen, unsere Hilfen bewusster wahrzunehmen und immer weiter zu verfeinern.

Das Bosal Schritt für Schritt kennenlernen

Wenn ihr jetzt neugierig geworden seid und das Bosal nicht nur theoretisch verstehen, sondern
praktisch damit arbeiten möchtet, könnt ihr euch auf Key to Horses die komplette
Bosal-Lernreihe mit Alex Zell anschauen.
Dort geht es Schritt für Schritt darum, wie ihr mit dem Bosal beginnt, wie ihr ein bereits
gerittenes Pferd auf die Hackamore umstellen könnt und wie sich die Ausbildung anschließend
weiterentwickelt. Alex begleitet euch dabei von den Grundlagen bis hin zur weiterführenden
Arbeit und schließlich auch zum einhändigen Reiten.
So könnt ihr euch in Ruhe mit der Zäumung vertraut machen, ihre Hilfengebung verstehen und
herausfinden, wie dieser Ausbildungsweg für euch und euer Pferd aussehen kann.

Bosal-Lernreihe mit Alex Zell

Die Online Lernvideos zum Bosal mit Alex Zell auf Key to Horses. Von den Basics zu den ersten Schritten bis hin zum einhändigen reiten des Bosals.